Reise in die Morgenröte - Leseproben

      Reise in die Morgenröte - Leseproben

      Hallo an alle Leseratten ^^

      Ich dachte, dass ich hier in Zukunft mal ein paar Leseproben aus meinem aktuellen Roman reinstelle. Er ist noch immer in der Entstehung, also unvollständig. Ich habe zwar schon einen treuen Leser und Lektor unter meinen Freunden, aber ihr könnt mir ja auch mal Feedback geben, wenn ihr möchtet ;)


      Mal grob die Handlung:

      Der Protagonist Ares trifft die junge Diana auf dem Sklavenmarkt. Sie fordert ihn auf, sie freizukaufen und mitzunehmen, da sie das Versteck eines großes Schatzes kennt. Ares kauft sie, wenn auch etwas skeptisch, von seinem letzten Geld.
      Ares ist Söldner und Abenteurer, der durch Aufträge aller Art sein Geld verdient. Diana ist Schwarzmagierin, als Hexe bezeichnet. Ihre Eltern kamen zuvor ums Leben, sie wurden ermordet.
      Diana kennt den Aufenthaltsort der „Schale der Aurora“ und lockt Ares mit dem Wert des magischen Artefakts. Ihre wahren Pläne sind jedoch andere, als die einfache Bergung des Schatzes.
      Die beiden kommen durch einige Ortschaften, in denen sie diverse Söldneraufträge erledigen müssen, um Geld zum Leben zu verdienen.
      Die Feinde, die der okkulten Magie mächtig sind, trachten ebenfalls nach diesem wertvollen Artefakt. Als Ares und Diana die Schale erhalten, jagt der Feind sie mit dem „Zauber der Tarotkarten“. Der längst verbotete Zauber aus der Schwarzmagie soll 21 Soldaten rufen und den Beschwörer wie eine Leibgarde schützen. Die Feinde benutzen den Zauber jedoch für andere Zwecke - nicht nur, um Ares und Diana die Schale gewaltsam zu entreißen.


      So viel zur Handlung an sich.
      Werde demnächst mal das erste Kapitel posten ^^


      Viele Grüße
      JayJay




      Edit 17.Feb.2012:

      Ich habe bis auf drei Kapitel (1,2,7) alles an Inhalt entfernt. Sollte das Teil doch nochmal irgendwann erfolgreich werden, dann sieht man es wahrscheinlich nicht gern, wenn die Hälfte schon in einem Forum veröffentlicht wurde^^

      Diese drei Kapitel sollten als Leseproben reichen.
      Wer weiß - vielleicht stelle ich irgendwann nochmal alles rein, wenn ich die Hoffnung aufgegeben habe :D
      RPG-Maker hab ich mal versucht, das wird bei mir aber nichts :D

      Nunja, fangen wir mit dem ersten Kapitel an. Ob sie noch Namen bekommen, weiß ich nicht, zunächst heißen sie nur "1", "2",...usw.

      Natürlich muss ich euch darauf hinweisen, dass mein Text ohne meine Erlaubnis nirgendwo verwendet werden darf, selbst hier im Forum bitte mich als Autor angeben (aber bei Zitaten ist das ja eh klar ^^)

      Gehört halt dazu, dass ich das sage ;)

      Nun aber viel Spaß beim Lesen :)

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      1


      Erinnerungen, die wie ein Sturm aufbrausen und jedes Fünkchen Ruhe vernichten. Erinnerungen… und doch kein Wind zu spüren.
      Es war jedes Mal das gleiche Theater, wenn er hier war. Die Luft war trocken, staubig, Sandkörner setzten sich in seine Augen. Er war daran gewöhnt.
      Gewöhnt an die Wärme der Sonne, die ihre glühenden Lanzen auf seinen Körper herab warf. Er wusste genau, wie albern das klang, aber keine Lanze dieser Welt hätte ihm jetzt etwas anhaben können, weil er von etwas angetrieben wurde, das heißer war, als jedes Feuer brennen konnte. Albern war es deshalb, weil ihn sogar ein kleines Steinchen in seinem jetzigen Zustand hätte umwerfen können. Er fühlte nichts mehr, sein Körper war taub und mit dem nächsten Sandkorn in seinem Auge schwand auch seine Sicht immer mehr und alles wurde dunkler.
      Doch Ares schüttelte seinen Kopf und wischte sich den Sand aus den Augen. Es musste weiter gehen. Und so setzte er einen Fuß vor den nächsten und starrte zielstrebig zum Horizont, wo er die Umrisse einer Siedlung erkannte. Es musste einfach eine Siedlung sein! Ares war zu lang auf Reisen gewesen, um sich von einer Fata Morgana täuschen zu lassen.
      Seine rechte Hand umklammerte immer noch den Griff seines Schwertes. Er hatte es nicht ablegen wollen, seit das Dutzend Wüstenräuber ihn verfolgt hatte und wie Kletten an ihm hing.
      Nicht mehr lange, dann war er dort. Nur noch eine Sanddüne herunter und dann… doch Ares stolperte und stürzte die Düne herab. Er blieb liegen, erkannte aber einen Menschen, der auf ihn zu gerannt kam.
      „Fremder, hast du Durst?“, fragte der Typ mit einer heiseren Stimme.
      „Nein, du Hohlkopf, mir geht’s prächtig…“, stöhnte Ares.
      „Ich gebe dir Wasser und einen Schlafplatz für… sagen wir zwei Silberlinge?“
      „Wucher!“, keuchte Ares.
      „Willst du sterben oder leben? Entscheide dich, Fremder.“
      „Na los, gib mir Wasser!“, knurrte Ares und der Unbekannte stopfte ihm eine Feldflasche in den Mund, aus der das Wasser ungezügelt seinen Rachen herunter lief und Feuchtigkeit in die Dürre seines Halses brachte. Dann überkam ihn die Müdigkeit.
      Als Ares aufwachte, lag er auf einer Decke im Schatten, kurz hinter dem Eingang der Siedlung. Über ihm war eine Wolldecke mit einfachen Bambusstäben gespannt, um Schutz vor der Sonne zu bieten. Er kontrollierte schnell seine Taschen, aber alles war noch da.
      Alles, bis auf…
      „Ein schönes Schwert hast du da, Fremder.“
      Ares schreckte auf und sah den Kerl, der ihn wohl versorgt hatte, wenige Meter von ihm auf einem Stuhl sitzen. Er hatte nicht viele Kleider an, das wenig Vorhandene war zerrissen und verdreckt. In seinen Händen hielt er Ares’ Schwert, fuhr über den starken und handlich geformten Griff und strich über die glänzende, breite Klinge, die trotz des Blutes, das sie vergossen hatte, wie neu aussah.
      „Ich würde als Tausch für meine Gastfreundschaft auch dieses Schwert…“
      „Vergiss es!“, unterbrach Ares ihn sofort und sprang auf. Er fühlte sich schon etwas besser. Sein Körper war Belastung gewöhnt.
      „Schon gut, Fremder. Reg dich ab.“, stammelte der Typ etwas erschrocken und warf Ares das Schwert zu. Er fing es mit Leichtigkeit und steckte es in die breite und lange Schwertscheide, die auf seinen Rücken gegürtet war.
      „Verkaufst du auch Proviant?“
      „Um Gottes Willen – nein! Ich bin ein armer Schlucker. War einst Sklavenhändler hier, doch niemand wollte meine Sklaven haben. Ich ging folglich pleite.“
      „Sklavenhändler?“
      „Ja, das hier ist keine gewöhnliche Siedlung. Das ist ein einzig großer Sklavenmarkt!“, grinste der Kerl. „Ich heiße übrigens…“
      „Dein Name interessiert mich nicht im Geringsten! Ich habe diesen Ort zwar noch nie zuvor gesehen, will aber so schnell wie möglich weiter. Sieht nicht sehr lukrativ aus hier. Bekomme ich hier Proviant?“, fragte Ares grimmig.
      „Natürlich.“, stöhnte der Typ genervt, „Du musst den Markt auf der anderen Seite verlassen. Einfach einmal durchlaufen, da warten die Provianthändler schon wie Geier auf dein Geld. Wo wir schon von Geld sprechen…“
      Ares warf ihm drei Silberlinge um die Ohren, noch ehe er zu Ende gesprochen hatte. „Zwei für die Pflege, einen für die Auskunft. Lebt wohl.“
      Der Typ hatte keine Zeit, sich zu bedanken, geschweige denn lebe wohl zu sagen, da er wie verrückt auf dem Boden im Sand nach den Münzen kratzte. Ares war zu diesem Zeitpunkt schon lange weg.
      Der Markt ätzte ihn an. Er war weit und breit von Gittern und Käfigen umringt. Ares wagte es kaum, seinen Blick vom Weg abzuschweifen, da er sonst in die verzweifelten und gebrochenen Gesichter schauen musste. Er wollte nur weg hier.
      Und das so schnell es ging.


      Unter den engen Handschellen waren ihre Handgelenke schon ganz aufgeschürft. Ihre Haut brannte wie Feuer und durch ihren Körper schossen Stromschläge, immer wenn sie daran dachte, hier heraus zu kommen.
      Diana war eine Sklavin. Sie war zwar erst seit knapp eineinhalb Wochen hier, doch es kamen ihr wie eineinhalb Jahre vor. Ihr Käfig war eng, so dass sie gerade mit angewinkelten Beinen darin schlafen konnte. Und dann diese Handschellen, die weit mehr waren, als ein undurchdringbarer Gegenstand, der ihre Arme vor ihrem Körper zusammenhielt. Dieser Gegenstand war verflucht, peinigte sie mit Hilflosigkeit, die ohne fremdes Zutun nicht überwunden werden konnte. Ihre schwarzen, langen Haare hingen ihr im Gesicht und ihr ebenso schwarzes, knielanges Kleid klebte an ihrem Körper, wie eine zweite Haut. Sie wollte am Liebsten zusammenbrechen und nie wieder aufwachen. Nie wieder…
      Aber sie hatte etwas zu erledigen. Diana hatte einen Auftrag, den sie nicht vernachlässigen durfte. Nur hier konnte sie nichts tun. Und die Zeit lief unaufhaltsam gegen sie. Das war ein mieses Gefühl und die Handlungsunfähigkeit machte sie ganz krank. Ihr Händler würde sie auch nicht so ohne Weiteres freigeben. Er hatte sie in der Wüste gefunden, herrenlos, was sie automatisch zu seinem Besitz machte. Somit konnte er sie als Stubenmädchen, als Prostituierte oder als Fußmatratze benutzen, das machte keinen Unterschied. Aber Menschen ihrer Art wollte man meist sofort weiter verkaufen. Menschen ihrer Art brachten Unglück und Ärger, deshalb trug sie als einzige diese schönen, vergoldeten Handschellen – diese Instrumente des Teufels.
      Doch halb in Trance versunken, spürte sie, wie etwas durch ihren Körper schoss. Es war weder eine Peitsche, noch ein Schock der Handschellen, es war ein ihr bislang unbekannter Sinn, der sie zwang, ruckartig aufzusehen. Sie hatte sich seit Tagen kaum bewegt, doch nun riss es ihre Muskeln auf und sie sprang an die Gitterstäbe, packte sie mit ihrer linken und ihrer rechten Hand, rüttelte energisch an ihnen und rief:
      „HEY DU, WARTE!“
      Der Schrei tat seine Wirkung. Die Gestalt, die im Licht der Sonne nahezu göttlich erschien, drehte sich um. Rot-braune, fast schulterlange Haare, die in alle Richtungen abstanden, Hautsache nicht glatt nach unten lagen, wehten durch den milden Wind. Seine Rüstung war leicht, er trug fast nur Leder an sich, nur seine Schultern, Knie und sein rechter Schwertarm waren zusätzlich gepanzert. Sie wusste, dass er es sein musste. Er war ihre letzte Hoffnung.
      Ares blieb stehen. Er wollte sich eigentlich nicht umdrehen, tat es aber trotzdem, weil er das Gefühl nicht los wurde, dass er musste. Im Käfig hinter ihm auf der linken Seite hockte ein Mädchen. Sie war etwas jünger als er und presste sich aufgeregt an die Gitterstäbe. Ihm fiel sofort auf, dass nur ihre rechte Hand in einem schwarzen Fingerling aus Leder steckte. Außerdem trug sie Handschellen, vermutlich nur vergoldet.
      „Was willst du?“, fragte er genervt.
      „Du… du musst mich mitnehmen!“
      Ares wusste nicht, ob er vor Wut brüllen oder vor Belustigung weinen sollte. „Ich soll dich mitnehmen? Ich habe kein Geld für so was!“
      „Du bekommst mich billig, ich verspreche es dir!“, rief sie und jammerte dabei fast.
      „Tut mir Leid, kein Interesse…“, seufzte er und drehte sich wieder um.
      „Hab ich dir nicht gesagt, du sollst nicht mit Kunden reden?“, brüllte plötzlich jemand, der sich noch viel verhasster als Ares anhörte. Das erstaunte den jungen Söldner, weshalb er der Person mit einem kurzen Blick über die Schulter eine Pupille schenkte. Ein großer, muskulöser Glatzkopf – vermutlich der Sklavenhändler – holte mit der Peitsche aus und schlug auf das Mädchen ein. Sie schrie und weinte und verkroch sich in die hintere Ecke ihres Gefängnisses. Er holte ein weiteres Mal aus, doch diesmal erreichte die Peitsche das Mädchen nicht. Der Lederriemen flog in die Luft und die Glatze hatte nur noch den kümmerlichen Griff in der Hand. Vor seinem Kopf glänzte Ares’ Klinge. Die Glatze konnte ihr Spiegelbild darin erkennen. Plötzlich landete der Lederriemen auf seiner Schulter.
      „Hör auf, dieses Mädchen zu schlagen. Du hast kein Recht dazu.“, fauchte Ares. „Wenn ich etwas nicht leiden kann, ist es sinnlose Gewalt!“
      „Das musst du sagen, Bürschchen.“, erwiderte die Glatze grinsend. „Du bist ein Söldner. Ein Killer.“
      „Und wenn schon.“, knurrte Ares, „Ich kann töten wann immer ich will!“
      Die Glatze blieb ruhig und sein Grinsen schwand. Ares zog sein Schwert zurück und steckte es in die Scheide auf seinem Rücken.
      „Knechte, holt ihn euch!“, brüllte die Glatze plötzlich und wie aus der Pistole heraus schoss Ares’ linker Ellebogen nach hinten und zertrümmerte einem der beiden Knechte die Nase. Der andere tauchte links von ihm aus einem Zelt auf. Ein hoher Tritt brach den Kiefer des fetten Knechtes. Die beiden gingen heulend zu Boden.
      „Denkst du, ich hätte die beiden nicht bemerkt?“, fragte Ares mit düsterem Blick. Langsam aber sicher bekam es die Glatze mit der Angst zu tun.
      „Bitte! Du musst mich mitnehmen!“, jammerte das Mädchen wieder.
      „Ich habe kein Interesse, das sagte ich bereits.“, fauchte Ares sie an und drehte sich um.
      „Du bist doch Abenteurer, oder?“
      Ares blieb stehen.
      „Ich weiß, wo sich ein großer Schatz befindet. Wie wär’s? Wenn du mich kaufst, bring ich dich hin. Du kannst dabei nicht verlieren, ich garantiere dir, dass für dich ein großer Gewinn herausspringt!“
      Ares drehte sich um.
      „Alles, was du tun musst, ist mich freizukaufen. Was sagst du?“
      „Wie kann ich dir vertrauen?“, fragte Ares skeptisch.
      „Ich garantiere es dir mit… mit meinem Leben. Du kannst alles mit mir machen, was du willst, sollte ich dich anlügen. Immerhin gehöre ich dir, wenn du mich kaufst.“
      Sie gehörte ihm? Ares überlegte kurz, schüttelte dann aber heftig mit dem Kopf. Ihm gefiel das ganze nicht.
      „Ihr wollt dieses Mädchen sowieso nicht kaufen. Sie ist eine…“
      „NEIN!“, jammerte sie, doch die Glatze sprach weiter.
      „…sie ist eine Hexe!“
      Ares sah den Sklavenhändler an. Der hatte wieder sein zufriedenes Grinsen aufgesetzt. Dann kam Ares dem Käfig näher, hockte sich auf ihre Höhe, packte ihr Kinn und zog sie ganz nah an sich. Ihre Iris war gelbfarben, nahezu golden. Sie war eine Hexe.
      „Kein Interesse.“, sagte er knapp, stand auf und wollte gehen, als das Mädchen wieder an den Gitterstäben rüttelte.
      „BITTE!“
      Sie weinte, Ares konnte es genau hören. Wie alt war sie? 16? Er blieb von Neuem stehen und drehte sich zum Sklavenhändler um.
      „Hey Glatze… wie viel?“
      „Lass mal sehen… fünf Goldstücke.“
      „Abgelehnt. Ich habe nicht viel mehr und brauche noch Proviant.“, meinte Ares.
      „Wartet doch!“, rief der Sklavenhändler. „Vier Goldstücke.“
      „Sie ist eine Hexe. Dafür würde ich keine zwei Goldstücke ausgeben.“
      „Genau, ich bin nicht mehr wert, als zwei Goldstücke!“, rief das Mädchen, doch die Glatze fuhr sie wieder wütend an. „KLAPPE! Nun übertreibt mal nicht, fremder Söldner, seht doch: sie trägt diese goldenen Handschellen, die ihr mit dazu erhalten würdet.“
      „Die sind nicht aus gold. Nur ver-goldet.“
      „Gewiss.“, grinste die Glatze falsch. „Aber Euch muss klar sein, dass Ihr diese Handschellen benötigt! Sie sind ein magisches Artefakt, das die Zauberkraft der Hexe unterdrückt. Mit diesen Handschellen kann die Kleine nicht zaubern!“
      Ares’ Blick wanderte auf die vergoldeten Armbänder und musterte sie genau. Sie waren wirklich unerlässlich. Er hatte nicht bedacht, dass die Kleine ihn im Schlaf umzubringen vermochte, sobald sie zaubern konnte.
      „Ich verstehe. Drei Goldstücke.“, schlug Ares vor.
      „Ich bitte Euch! Drei Goldstücke und fünf Silberlinge!“
      „Vergesst es. Ihr wisst genau, dass Ihr diese Hexe niemals loswerdet, wenn nicht an mich. Drei Goldstücke, letztes Angebot.“, sagte Ares beiläufig, als liege ihm nicht viel an diesem Handel. In Wirklichkeit brannte er aber zu erfahren, welchen Schatz die kleine Hexe meinte.
      „Meinetwegen… her damit!“, knurrte der Sklavenhändler. Ares überreichte ihm die Goldstücke und musste feststellen, dass ihm nur noch zwei geblieben waren, plus vier Silberlingen und sieben Bronzestücken. Das war nicht sehr viel, würde aber für Proviant ausreichen. Für eine Person.
      Der Sklavenhändler schloss den Käfig des Mädchens auf, packte sie unsanft am Arm und schleifte sie zu Ares. Als sie sich von ihm losriss, holte er weit aus und klatschte ihr so stark ins Gesicht, dass sie stürzte, doch Ares fing sie ohne sich groß zu bewegen mit der rechten Hand auf. Er bemerkte kurz, wie ihre linke Wange knallrot wurde und sich Tränen in ihren Augen bildeten, die sie sich nicht anmerken lassen wollte. Sie starrte in eine andere Richtung und versuchte abgeklärt zu wirken, doch Ares wusste, dass sie dem nervlichen Zusammenbruch nahe war.
      „Kannst du alleine stehen?“, fragte er und sie nickte. Ares ließ sie los, ballte seine Faust, holte weit aus und schlug der Glatze mitten ins Gesicht. Die Nase brach und der Kerl flog wie ein nasser Sack nach hinten um. Einige Leute schauten Ares verängstigt an und bildeten einen Kreis um ihn und das Mädchen, während die Glatze sich am Boden krümmte und heulte.
      Ares drehte sich zum letzten Mal um und ging voraus. Die kleine Hexe tappte ihm hinterher und versuchte mit ihm Schritt zu halten.
      Wie hoch der gute, alte Herr im Himmel ihm diese Tat auch anrechnen wollte, war Ares egal. Ihm lag nichts an diesem Mädchen. Nicht an ihrem Leben, noch an ihrer Geschichte. Er wollte nur wissen, um was für einen Schatz es sich handelte. Natürlich war er skeptisch, denn sie konnte ihn ebenso angelogen haben, nur um die Freiheit zu erlangen. Sollte das aber der Fall sein, würde er sie töten. Sie konnte nicht fliehen. Vielleicht war der Tod auch nicht das richtige Mittel, um sie bereuen zu lassen. Immerhin hatte sie zu viel Geld gekostet, um einfach zu sterben. Er sollte sie irgendwie anders büßen lassen, mit etwas noch viel Schlimmerem als dem Tod.
      Er hatte alle Zeit der Welt. Immerhin gehörte sie nun ihm.
      Ihm allein…


      (c) Julian Jungermann
      So, falls jemand wissen möchte, wie es weiter geht, stell ich auch mal Kapitel 2 rein :)

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      2


      Sie hatten das Ende der Sklavensiedlung erreicht. Auf ihrem Weg wurden sie von unzähligen Blicken verfolgt. Jeder einzelne dieser Blicke haftete auf Diana.
      Eine Hexe!, Er hat eine Hexe gekauft! oder Sie hat es geschafft, sie ist frei!
      Diana hatte ihre Stimmen gehört, still und leise sind sie in ihren Kopf gedrungen und haben sie verängstigt. Auch wenn sie sich vor dem Mann fürchtete, der sie gekauft hatte, fühlte sie sich doch von ihm hingezogen, denn sie hatte das Gefühl, dass sie sich außer Gefahr befand, wenn er an ihrer Seite war. Er selbst schien ihr aber keine besondere Beachtung zukommen zu lassen. Im Moment stand er bei einem Provianthändler und feilschte um die Preise. Er hatte nicht mehr viel Geld, das wusste sie genau. Daran war sie schuld. Aber das hatte sie in Kauf nehmen müssen, um ihre Ziele zu erreichen.
      Endlich kam der Mann wieder. Er musste älter sein, als sie. Sicher um die drei Jahre. Erleichtert stellte sie fest, dass er dem Verkäufer noch einen Beutel abgenommen hatte, in dem sie den Proviant verstauen konnten. Möglicherweise war es nicht viel, höchstens Nahrung und Wasser für ihn. Aber auch das waren Umstände, die sie in Kauf nehmen musste.
      „Sag, wie lang ist es bis zu dem Schatz, von dem du gesprochen hast?“, fragte er.
      „Ich… also… weit ist es nicht, aber auch nicht kurz. Wir müssen einige Zeit laufen.“
      Ares schwieg einen Moment.
      „Diese Aussage war so viel Wert wie dein Leben – gar nichts! Ich hoffe, du nimmst mich nicht auf den Arm, nur um die Freiheit zu erlangen. Du müsstest es ansonsten teuer bezahlen.“
      „Nein, mach dir keine Sorgen!“, stammelte sie. „Wir müssen als erstes weiter Richtung Westen, bis der Sand verschwindet.“
      „Verstehe. Los…“
      Ares setzte sich sofort in Bewegung und Diana stolperte mühevoll hinterher. Sie verließen den Markt und betraten wieder die offene Wüste. Ares war inzwischen wieder an die Sonne gewöhnt und auch Diana schien sich nicht schlecht anzustellen. Ares fragte sich, wie lange sie das durchhalten würde. Ihre Kräfte ließen immer schneller nach.
      „Ich… kann das auch tragen…!“, keuchte sie und deutete auf den Proviantbeutel, den sich Ares noch zusätzlich um die Schulter gehängt hatte.
      „Du kannst dich nicht mal selbst auf den Beinen halten.“, stöhnte er und ging weiter. Diana folgte nur mit Mühe. Schließlich öffnete Ares den Beutel und holte eine Feldflasche Wasser hervor. Er nahm einen großen Schluck und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Dann warf er die Flasche rüber zu Diana, die sie aufgrund ihrer Handschellen nicht fangen konnte. Sie fiel in den Sand und das Wasser versickerte langsam.
      „NEIN! Ich… es tut mir wirklich leid, ich bin so tollpatschig, bitte verzeih mir!“, jammerte sie, fiel auf die Knie und versuchte die Feldflasche zu greifen, doch Ares war schneller. Er schnappte die Flasche, schüttelte sie, um festzustellen, wie viel Wasser noch enthalten war und hielt sie ihr an den Mund. Sie trank. Das Wasser war wie eine Erlösung für sie. Sie versank im Himmel und glaubte, nie wieder aufwachen zu müssen.
      Doch Ares packte sie am Arm und zog sie auf die Beine. „Hey, nicht die Fassung verlieren! Das ist hier draußen tödlich.“
      Ares schloss die Feldflasche und steckte sie zurück in den Beutel. Sie war bereits leer. Diana hoffte inständig, dass er noch mehr Wasser bei sich hatte. Sonst war sie vermutlich bald tot.


      Die kleine Hexe begann zu nerven. Sie behinderte ihn, denn sie war einfach zu langsam. Ohne sie wäre er schon viel weiter gewesen. Außerdem drohte sie jeden Moment zusammenzubrechen.
      Eins stand fest: Er würde seine Rationen nicht mit ihr teilen! Jedenfalls nur in geringem Maße.
      Man hat ja gesehen, was geschieht, wenn man ihr etwas gibt. Sie zerstört es. Das gute Wasser hat sie im Sand versickern lassen.
      Die Flasche hätte für Ares allein den ganzen Tag ausreichen können. Er wusste nicht, ob der Handel wirklich klug gewesen war. Die Region außerhalb der Wüste war nicht sehr profitabel, dort würde er nicht viele Aufträge an Land ziehen können. Ares hoffte nur, dass die kleine Hexe ihn nicht anlog.
      „Diana…“, hörte er sie von hinten keuchen.
      „Was?“
      „Diana… mein… Name.“
      Sie konnte kaum reden. Trotzdem versuchte sie es. Ihr war das ganze wohl ebenso unangenehm, wie ihm selbst.
      Ares blieb stehen und ließ sie aufholen. Dann streckte er seine Arme nach hinten und hin ging leicht in die Hocke. Auch wenn das Schwert auf seinem Rücken war, musste es gehen.
      „Spring auf.“
      Die kleine Hexe zögerte, umklammerte aber dann mit ihren Armen seine Schultern. Die Handschellen störten sie, waren aber unerlässlich für Ares.
      „Jetzt müsstest du trotzdem den Proviant tragen, ist das okay?“, fragte er.
      „Ja… kein… Problem.“, stammelte sie und nickte mit dem Kopf auf Ares’ linker Schulter ein. Ares stöhnte und hing sich die Schnur des Beutels um den Hals. Mit doppelt so viel Gepäck wie zuvor, stolperte er weiter durch den Sand.
      Er spürte ihren Körper auf seinem Rücken. Ihre Haut war weich und ihre Knochen schienen zerbrechlich. Sie sah so harmlos aus, auch wenn sie eine Hexe war. Ihre Oberschenkel, die Ares festhielt… und wie sie schlief, so friedlich.
      Ares schüttelte hastig den Kopf und verdrängte seine Gedanken. Sie war doch nur eine Last, wenn auch eine schöne.
      Dann sah er die Handschellen vor seinen Augen glitzern. Er wusste gar nicht, wie er sie abkriegen sollte. Eigentlich wollte er sie ja auch gar nicht ablegen. Frühestens dann, wenn er ihr vertrauen konnte. Wenn überhaupt…


      Es dämmerte gerade. Die Abendröte tränkte den Himmel in ein blutiges Rot, das den goldgelben Schein der untergehenden Sonne umgab. Wie ein Kind, das gegen den Tod kämpft und sich nicht wehren kann, weil das Blut überall ist, wohin es auch fliehen will.
      Diana öffnete ihre Augen.
      „Ares…“
      „Wie?“, fragte sie.
      „Ares… mein Name.“
      „Oh…!“, lächelte sie geschmeichelt und errötete.
      Ares hatte sie bis kurz vor die nächste Siedlung getragen. Sie passierten gerade den Dorfeingang und sahen Häuser aus Holz, wie in einer Wild-West-Stadt. Hier hätte in alten Zeiten irgendein Western gedreht werden können, aber die gab es lange nicht mehr.
      Diana erkannte kein Ortsschild. Es erschien ihr, als ob diese Stadt keinen Namen hatte. Die Straßen waren menschenleer, nur der Sand wurde vom immer kälter werdenden Wind aufgewirbelt. Die Straße erstreckte sich zunächst geradeaus, die Häuser waren links und rechts eng aneinander gereiht. Vor dem ersten Haus auf der linken Seite stand eine Bank, auf die Ares zulief. Er setzte Diana ab und fiel erschöpft auf den Platz neben sie. Dianas Magen knurrte. Ares sah sie an und schien mit der Überlegung zu spielen, ihr etwas zum Essen zu geben.
      „Gib mir den Beutel.“, forderte Ares und Diana übergab ihn wortlos. Er kramte darin herum und fand schließlich einen kleinen Plastikbeutel mit geschnittenen Brotscheiben, sechs an der Zahl. Eine Scheibe nahm er heraus, riss sie in zwei Teile und gab Diana die Hälfte. Es war nicht viel, aber sie war ihm dankbar dafür. Damit verschwand der Plastikbeutel wieder im großen Stoffbeutel.
      Diana biss ein großes Stück ab, kaute hastig und schlucke das trockene Brot herunter. Dann öffnete sie den Mund noch weiter, doch ehe sie das Brot verschlingen konnte, packte Ares ihre Hand.
      „Hey! Geh nicht so verschwenderisch damit um! Was du da machst ist weder gut für meine Vorräte, noch für deinen Hunger.“
      Diana sah ihn verdutzt an. Langsam löste er seinen starken Griff um ihre Hand und sprach weiter. „Du musst kleine Bröckchen abbeißen – kleiner als gewöhnlich – und diese Bröckchen solltest du in aller Ruhe zerkauen, bis das Brot ganz klein gemahlen ist. Nur so kannst du deinen Hunger ansatzweise stillen und dabei meine Vorräte nicht gefährden. Auf die Weise, wie du eben isst, könntest du alle sechs Scheiben essen und wärst immer noch nicht satt.“
      Diana kam sich ziemlich blöde vor. Warum machte sie nur alles verkehrt? Sie starrte auf das kümmerliche Stückchen Brot, das in ihrer Hand übrig geblieben war und seufzte. Sie war diesen Hunger nicht gewöhnt, der sie in den letzten Tagen auf dem Sklavenmarkt zerfressen hatte.
      Ares legte ihr wortlos seine Hälfte auf den Schoß. Noch bevor sie protestieren konnte, war er aufgestanden und auf die Straße zurück gelaufen, um sich umzusehen. Diana hatte nicht den Mut, ihm nachzurufen.
      „Irgendwo muss es hier doch eine Herberge geben. Ich habe keine Lust bei dieser Kälte draußen zu schlafen.“
      „Hast du… überhaupt genug Geld?“, fragte Diana unsicher. Ares grinste zu ihr zurück.
      „Wird knapp. Für mich könnte ich noch ein Zimmer erfeilschen, aber für dich…? Im Notfall gebe ich einfach dich in Zahlung.“
      Diana warf ihm einen entsetzten Blick zu, doch Ares grinste nur. „Nimm nicht alles so ernst, kleine Hexe.“
      „Nenn mich bitte nicht so… ich habe dir nicht umsonst meinen Namen gesagt.“
      Ihr Gesichtsausdruck nahm einen Hauch Traurigkeit an, die sich Ares zunächst nicht erklären konnte. Er beschloss, nicht weiter nachzufragen und ging stattdessen die Straße herunter. Er konnte das Haus des Sheriffs erblicken, einen Saloon, einen Waffen- und einen Proviantladen.
      Aber alles war verlassen.
      Diana schaute ihm nach. Sie wollte nicht aufstehen, geschweige denn laufen. Ihr tat alles weh, auch wenn Ares sie getragen hatte. Etwas schläfrig nagte sie an der Kruste von Ares’ Brothälfte herum und spürte, wie ein frischer Wind ihr in den Nacken wehte. Er stach ihr ins Genick, als würde er sie lähmen wollen und dann…
      „Verrecke…!“
      Diana schrie laut auf, während sich alle Muskeln in ihrem Körper verkrampften und sie geradeaus auf die Straße sprang. Sie landete hart auf dem sandigen Boden.
      Die Stimme hinter ihr war trocken wie Kreide gewesen und sie spürte immer noch, dass sie da war, irgendwo hinter ihr. Ares kam so schnell er konnte zurück gerannt und zog sein Schwert.
      Hinter Diana stand ein Kerl, der schon etwas älter sein musste. Seine Haut war bleich, seine Kleider verrissen und sein Körper übersät mit Schuss- und Schnittwunden, doch er blutete nicht. Sein schwarzer Cowboyhut wies ihn als einen Bewohner dieses Ortes aus.
      Wo er plötzlich hergekommen war und warum er Diana gegenüber feindlich gesinnt war, interessierte Ares erst einmal wenig. Vielmehr interessiere er sich für den Beutel voll Proviant, den Diana einfach vor der Bank stehen gelassen hatte.
      Ares rannte der Gestalt entgegen, holte mit dem Schwert aus und schlug zu. Die Klinge drang in der linken Schulter ein, fuhr durch den gesamten Körper und kam an der rechten Hüfte wieder heraus. Verwundet war der Kerl jedoch nicht.
      Er war ein Geist.
      Jetzt lief Ares fast so bleich an, wie der Geist selbst war. Der Typ streckte seine Hand aus und Ares spürte einen kräftigen Druck, der ihn von den Beinen holte und meterweit fortschleuderte.
      Magie…!
      Als er sich aufstemmte, hielt er die Schnur des Proviantbeutels in seiner linken Hand. Er hatte ihn gepackt, ehe der Geist ihn mit einer Art psychischen Kraft oder Magie weggedrückt hatte.
      „Diana, komm zu mir.“
      Ares stimme klang kratzig und gereizt. Sein wütender Gesichtsausdruck unterlegte seine Stimmung noch zusätzlich. Diana kam auf ihn zugestolpert und versteckte sich hinter ihm. In diesem Moment kamen weitere, bleiche Gestalten durch die geschlossenen Türen der umliegenden Häuser und taumelten langsam auf sie zu. Ares schaute sich um. Sie waren noch nicht umzingelt. Der Weg ins Dorf war noch frei, aber ansonsten kam die Brut von überall. Ares steckte sein Schwert weg, hängte sich den Beutel über die Schulter, packte Dianas Arm und rannte, was das Zeug hielt. Er hatte das Gefühl, als breche Diana hinter ihm gleich zusammen, doch sie hatten keine andere Wahl, als so schnell wie möglich zu verschwinden. Rings herum schwirrten die Gestalten aus den Häusern und reckten ihre bleichen Arme nach ihnen.
      „STOP!“, schrie Diana plötzlich und Ares blieb erschrocken stehen. „Da, auf der rechten Seite!“
      Eine kleine Kapelle. Ares verzog das Gesicht. „Dafür haben wir keine...“
      „Geister können dort nicht rein, vertrau mir!“, rief Diana und zog Ares vor das Eingangstor. Ares zog kräftig an dem großen Riegel, doch das Tor war zu.
      „Verdammt! Das haben wir jetzt davon!“, rief Ares wütend, während sich die Geister um die Kirche versammelten und die Beiden einkreisten. Diana trommelte heftig gegen das Tor.
      „Aufmachen! Aufmachen!“
      „Es ist keiner da, Kleine…“, knurrte Ares, zog sein Schwert und fixierte die Geister, die sie umzingelten, mit einem gestressten Blick.
      Plötzlich öffnete sich das Tor einen Spalt und eine kahle, knochige Hand zog Diana ins Innere. „Kommt schnell, Kinder! Rein hier!“
      Das ließ sich Ares nicht zweimal sagen und hastete in die Kapelle. Ein Priester in einer verhüllenden Kutte hatte sie hereingelassen. Er verschloss gerade wieder das Tor.
      „Kommt.“, sagte er knapp und ging zwischen den Bankreihen hindurch zum Altar. Es war dort ziemlich dunkel, jedoch erhellten einige Kerzen den Raum ein wenig.
      Der Priester zog seine Kapuze ab und enthüllte somit ein altes Gesicht, mindestens genauso bleich wie das der Geister. Ares schreckte auf und hielt ihm sein Schwert mitten ins Gesicht.
      „Ihr seid auch ein Geist!“, knurrte Ares.
      „Das ist richtig.“, nickte der Priester. „Ich bin ein Geist, der Gottes Gnade genießt. Jedenfalls zu einem geringen Teil.“
      „Was soll das heißen?“
      „Wie ihr seht, kann ich diese Kirche betreten, im Gegensatz zu den anderen verlorenen Seelen. Ich bin derjenige, der Gottes Gnade in diesem Dorf aufrecht hält, zwischen dem grenzenlosen Hass und der Rache, die die Seelen vor langer Zeit vergiftet hat. Auch ich war einst mit diesen Gedanken besetzt, doch der Herr hat mir geholfen. Trotzdem muss ich als Strafe für meine Untreue auf Erden weilen und die armen Menschen beherbergen, die sich in dieses verlorene Dorf verirrt haben.“
      „Hören sie auf mit dem Geschwätz! Was ist hier vorgefallen?“, fragte Ares und senkte das Schwert langsam.
      „Einst war dieses Dorf eine glückliche Wild-West-Stadt. Die Leute waren fröhlich und die Kapelle war jeden Tag gut besucht, besonders am Sonntag. Doch dann kamen Fremde in das Dorf und lachten über unsere Lebensweise. Sie meinten, wir müssten uns kultivieren und sie wollten die Stadt erweitern. Moderne Häuser bauen, Großmärkte, Firmen… alles, was wir hier nicht brauchten. Natürlich waren wir dagegen, doch die Fremden wollten nicht auf uns hören. Irgendwann zettelte ein einzelner Mann der Unseren einen Aufstand an. Er war äußerst geachtet und geschätzt, deshalb war es ihm ein Leichtes, die unzufriedenen Bürger auf seine Seite zu bringen. Als die Fremden dann eines Morgens kamen, um das große Stadion fertig zu bauen, wurden sie von den Bürgern dieses Dorfes gnadenlos abgeschlachtet. Es war teuflisches Massaker, auch ich war zu dieser Zeit mit dämonischen Gedanken verseucht. Doch nach dieser Tat, da flehte ich meinen Herren um Vergebung und versuchte auch, die anderen umzustimmen, doch sie wollten nicht hören. Es kam, wie es kommen musste: Die Fremden kamen zurück. Mit mehr Leuten und moderneren Waffen und sie schlachteten jeden einzelnen von uns ab. Die Bürger dieses Dorfes konnten sich nicht wehren, sie hatten einen falschen Weg eingeschlagen. Mich traf die Bestrafung zurecht, denn auch ich war mit Hass erfüllt. Doch die verlorenen Seelen kehrten aus der Unterwelt wieder und hausen immer noch in der Stadt, um Fremde abzuwehren. Die Leute von damals kamen zurück, doch sie konnten gegen die Geister nichts ausrichten – niemand konnte das. Seitdem ist keiner mehr in unser Dorf gekommen, der es lebend verlassen konnte. Ich sollte die Menschen eigentlich beschützen, doch ich habe bislang immer versagt.“
      „Nun, das ist eine rührende Geschichte, aber ich kann es mir nicht leisten, hier zu sterben.“, seufzte Ares.
      „Dann tötet ihn!“, rief der Priester. „Tötet den Einen, der den Verstand der Menschen verschmutzt hat. Tötet den Geisterkönig! Dann sind alle frei.“
      „Den was?“
      „So nennt er sich.“, erklärte der Priester. „Jener, der die Menschen damals zum Mord anstiftete. Tretet gegen ihn an und tötet ihn!“
      „Wie soll ich das machen?“, fragte Ares. „Er ist ein Geist.“
      „Und er kann Euch nicht mit physischem Schaden treffen, so wie Ihr ihn nicht. Was ist also zu tun?“, fragte der Priester prüfend.
      „Magie…?“, fragte Ares unsicher.
      „Das ist es, sehr gut! Ihr tragt da ein nettes Schwert auf dem Rücken, Söldner.“
      „Ich… ich kann helfen!“, rief Diana, „Du musst nur diese Handschellen…“
      „Vergiss es.“, stöhnte Ares. „Ich werde den Geisterkönig auch ohne dich töten.“
      Enttäuscht trat Diana einen Schritt zurück und nickte. Ares’ Blick fiel auf ihre Handgelenke. Das linke war ziemlich angeschwollen, das rechte steckte geschützt unter dem Lederfingerling.
      „Was bekomme ich dafür?“, fragte Ares. „Wie Ihr richtig bemerkt habt, bin ich Söldner.“
      „Eure Freiheit.“, lachte der Priester. „Was soll ich Euch sonst geben? Ich kann Euch diese Kirche als einen Schlafplatz für die kalte Nacht anbieten.“
      „Nicht schlecht…“, überlegte Ares. „Wie sieht es mit Proviant aus?“
      „Ich habe nichts, ich bin ein Geist.“, grinste der Priester. „Aber für ein Frühstück müssten die Reste dieser Kapelle reichen.“
      „Wie alt ist das Essen?“, fragte Ares verwirrt.
      „Alt… aber ich kenne Mittel und Wege es zu konservieren.“
      „Wie bitte?“, rief Ares entsetzt. „Was meint Ihr damit, Priester?“
      „Die Nahrungsmittel dieser Kirchen werden magisch haltbar gemacht. Sie sind immer noch genießbar.“
      „Es gibt einen Weg in der Magie, das zu bewerkstelligen.“, stammelte Diana zurückhaltend aus dem Hintergrund. Ares sah sie kurz an, wandte seinen skeptischen Blick dann wieder dem Priester zu.
      „Warum tut Ihr das?“
      „Eben für einen solchen Notfall. Habt Ihr schon vergessen? Ich bin dazu verpflichtet, euch zu beschützen.“, erklärte der Priester. „Außerdem werde auch ich frei sein, wenn der Geisterkönig tot ist. Alle Geister hier werden frei sein. Ihr seid also meine Hoffnung, Söldner.“
      „Meinetwegen…“, seufzte Ares und blickte auf Diana zurück, die sich zusammengekauert auf eine der Bänke gesetzt hatte. „Hättet Ihr etwas gegen ein zusätzliches Abendessen einzuwenden?“
      Der Priester schaute Diana an, dann Ares und begann zu lächeln. „Natürlich nicht.“


      (c) Julian Jungermann
      Ich hab die zwei Kapitel jetzt gelesen und ich bin wirklich begeistert.
      Dein Schreibstil gefällt mir sehr gut und vorallem benutzt du sehr oft Wörtliche Rede was mich noch mehr freut, da ich was Geschichten angeht ein totaler "Wörtliche-Rede-Freak" bin ^^

      Diana ist mir auf jeden Fall mit ihrer tollpatschigen Art jetzt schon sympathisch :D
      Und ich hoffe natürlich, dass im Laufe der Geschichte noch mehr zwischen ihr und Ares geht *hrhr* xD
      Wow, da hat sich jemand "durchgekämpft"! :D

      Danke Trash! Schön, dass es dir gefällt, freut mich ebenso ^^


      Original von Trash
      Und ich hoffe natürlich, dass im Laufe der Geschichte noch mehr zwischen ihr und Ares geht *hrhr* xD


      Is in Arbeit :D
      Stell bald den nächsten Teil rein^^
      So, bin durch die 2 Kapitel durch.
      Dein Roman gefällt mir schon sehr gut. Du hast einen angenehmen Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Darauf lege ich viel wert, weil ich sonst keine Lust hätte weiter zu lesen.^^
      Meine Frage wäre nur, in was für einer Epoche das spielt. Also mit welcher könnte man das vergleichen? Oder kann man es überhaupt vergleichen? Es ist ja nicht umsonst Fantasy^^

      Aber sehr gut. Würde auf jeden Fall weiter lesen^^
      Meine veröffentlichte Kurzerzählung: Das Mädchen im Spiegel: Blutfinke
      ISBN: 3867614253
      Machtwortverlag
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      Danke für deine Antwort, Cid ;)

      Werde bald neue Kapitel reinstellen. Was eben passiert ist sowieso nur das "Vorspiel", ehe alles aufgedeckt wird *muhaha*

      Die Story in eine Epoche einzuordnen ist schwer. Es ist eine fiktive Zeit in einer fiktiven Welt, also nicht mit unserem System zu vergleichen ^^
      Wie man sieht, gibt es Wüsten und Siedlungen, später kommen noch Festungsstädte aber auch High-Tech-Cities, also das volle Programm. Da Magie eine große Rolle spielt, sowie mittelalterliche Waffen wie das Schwert, ist es eine abwechslungsreiche Mischung ^^

      Also eine genaue Epoche kann nicht bestimmt werden. Ich hab einige Elemente zusammengewürfelt, wird aber im Laufe der Story deutlicher ;)


      Viele Grüße
      JayJay
      Danke fürs Reinstellen JayJay /,;-
      Gefällt mir wieder sehr gut das Kapitel :)

      ...Doch kaum hatten sie fremde Auras gespürt,....


      Ich bin mir nicht ganz sicher, ist die Mehrzahl von Aura wirklich Auras? Ich dachte immer es wäre "Auren" ^^


      Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich allerdings, ich hoffe du nimmst mir das nicht übel ^^

      ...„Das war’s, Geisterkönig, das ist mein Element.“, lachte Ares, holte mit seinem Schwert aus und schlug in Richtung des Geisterkönigs. Mit dem Schwerthieb wurden alle Flammen, die um ihn kreisten, auf den Geisterkönig gelenkt, als sei er der Startschuss und der Wegweiser für das flammende Inferno.Magie ist nur mit Magie zu bekämpfen. Der Geisterkönig wurde von den Flammen erstickt und ging in grölenden Schreien unter....


      Ich finde in diesem kurzen Absatz kommt das Wort "Geisterkönig" ein wenig zu oft vor.
      Ich hätte es auch ehrlich gesagt dramatischer gefunden, wenn du ihm einen Namen gegeben hättest.


      Und eine Frage hätte ich noch ^^
      Hast du schon einige ungefähre Vorstellung davon wie lang die Geschichte werden soll bzw. wieviele Kapitel sie haben soll?
      Viiielen Dank fürs Kommentieren, Trash /,;-


      Zu der "Aura"-Frage weiß ich noch keine Antwort, sorry :D
      Ich hatte genau die gleiche Frage, muss ich zugeben. Dann hab ich "Auren" in Word eingegeben und er hat einen Fehler anzeigt. Dann hab ich "Auras" draus gemacht und es funktionierte :D

      Also keine Ahnung, muss ich mal überpüfen. Word sagt, es geht. Aber Word sagt so Einiges :rolleyes:


      Und ich nehm dir deine Kritik doch nicht übel! Ich freu mich sogar, dass du den Mund aufmachst, sonst wär mir diese peinliche Stelle sicherlich nicht aufgefallen! :D
      Der Geisterkönig wird in diesem Abschnitt natürlich viel zu oft erwähnt, danke für den Hinweis /,;-
      Ein Name wäre natürlich auch nicht schlecht gewesen. Muss ich mal darüber nachdenken. Ich habe allen "relevanten" Gegnern Namen gegeben (und zwar welche, die griechischen und römischen Göttern entsprechen --> Symbolik=Name), aber den Geisterkönig hab ich als irrelevanten Gegner namenlos gelassen. Mal schaun, wie ich das mache ^^


      Zu der Kapitel-Frage: Nein, ich mach mir nie Gedanken darüber, wie lang eine Geschichte wird. Ich nehme an, dass diese sehr umfangreich wird, weil die Story an diesem Punkt noch gar nicht richtig ins Rollen gekommen ist. Worum es wirklich geht, wird erst später klar.
      Also wenn ich unter 100 Seiten komme, hab ich wohl was falsch gemacht ^^''
      Original von JayJay

      Edit: Bin inzwischen bei Kapitel 20 - wenn Bedarf besteht, kann ich also weiterposten. Wenn nicht, ist auch nicht schlimm, aber ich bräuchte mal ein paar Stimmen, wie es hier weitergehen soll ;)



      Auf jeden Fall weiterposten!
      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich deine tolle Geschichte in der letzten Zeit total vergessen habe und auch deshalb nicht mehr geantwortet habe :/
      Also ich würde mich sehr freuen, wenn du auch die nachfolgenden Kapitel noch online stellen würdest :)
      Ich stell mal wieder ein neues Kapitel rein ^^
      Bin inzwischen bei Kapitel 32. Der Höhepunkt sozusagen :P

      Hier aber erst mal Kapitel 7 ;)
      ---------------------------------------------------------------------------------


      7


      Die Bilder wollten nicht weichen. Sie klebten in Ares’ Verstand, wie Kletten. Diana sprach immer noch nicht mit ihm, auch wenn sie bereits zwei Stunden gelaufen waren. Ares sah aus, als habe er sich noch nicht richtig erholt. Sie kaute etwas ratlos auf einer halben Scheibe Brot herum, denn es war bereits Nachmittag und sie hatten keinen Bissen zu Mittag gehabt. Ares hatte immer noch nichts gegessen, jedoch sah er auch nicht wirklich aus, als sei ihm danach. Aber trinken musste er irgendwann einmal, so viel stand fest.
      Aber wann…?
      Diana stöhnte. Der Sand begann zu weichen und der Boden wurde steiniger. Sie kamen dem Berg langsam näher. Auf dem unebenen und scharfkantigen Boden ließ sich nicht gut laufen, aber Diana war er lieber als die Wüste. Die Hitze war zu viel für sie gewesen – hier wehte immerhin von Zeit zu Zeit eine frische Brise. Der Himmel wurde jedoch immer dunkler.
      Das Schattenland.
      Dafür schien es Ares langsam besser zu gehen. Er hatte seinen analytischen Blick aufgesetzt und musterte die Gegend. Anscheinend trieb es ihn selten in ungemütliche Regionen wie diese. Doch er sprach nach wie vor kein Wort, auch wenn er nicht mehr so bedrückt wirkte, wie vor ein paar Stunden.
      Diana hatte trotzdem nicht den Mut gehabt, ihn anzusprechen. Ihre Handgelenke waren geschwollen und die Handschellen fühlten sich an wie zwei Feuerringe. Sie wollte nichts sehnlicher, als ihre Hände von diesem ätzenden Gift zu befreien, doch Ares würde sich davor hüten, sie zu befreien. Viel wichtiger war jedoch, dass sie ihrem Ziel immer näher kamen. Je dunkler das Schattenland für sie wurde, desto heller strahlte die Schale der Aurora.
      „Wie lange noch?“, fragte Ares plötzlich und Diana erschrak, als seine Stimme in die Stille schnitt.
      „Nicht mehr weit. Ich war selbst nie dort, aber nach dem, was ich von meiner Mutter gelernt habe, gibt es nur einen einzigen Berg in dieser Einöde.“
      „Gelernt?“
      „Nicht wichtig…“, stammelte Diana und schwieg. So auch Ares.
      Nach kurzer Zeit sahen sie eine kleine Siedlung. Rings herum wuchs kein Baum, kein Strauch, nicht mal Wasser floss. Mitten in der Landschaft standen auf spitzem Boden einige einfache Zelte. Als Ares und Diana die Siedlung durchliefen, begegneten ihnen einige Menschen, die sie entgeistert anstarrten. Bis auf ein paar Stofffetzen um ihre Genitalien trugen sie nicht viel, ihre Haut war aschfarben und dreckig, ihre Blicke verängstigt und zurückgelassen.
      „Vielleicht sollten wir nach dem Weg fragen.“, schlug Diana zurückhaltend vor. Sie empfand etwas Mitleid mit diesen armen Menschen. „Sie sind Einheimische und kennen sich sicher bestens aus.“
      Ares blieb automatisch stehen und warf dem nächst Besten einen vernichtenden Blick zu. „Wo geht es zum Berg?“
      Der Mann ergriff schreiend die Flucht.
      „Du hättest etwas freundlicher sein können.“, kicherte Diana amüsiert.
      „Fremde, die den Schattenberg suchen?“, ertönte eine kratzige Stimme. Sie gehörte einem alten Kerl, der mehr an hatte, als die anderen. Ausgeblichene Tücher hingen um seine Schultern und er trug Ketten aus seltsamen Steinen und Knochen.
      „Du musst der Anführer sein. Wie kommen wir zu diesem Berg?“, fragte Ares gewohnt ungestüm.
      „Anführer? Nur ein Söldner könnte so primitiv denken. Ich bin ihr Vater, ihr Halt. Nur kann ich sie nicht vor allem beschützen.“
      „Niemand ist perfekt…“, schnaubte Ares ohne Interesse zu zeigen.
      „Wahrscheinlich nicht!“, lachte der Vater, doch seine versteckte Miene entging Ares nicht, „Ein Wolfsrudel treibt sein Unwesen. Sie zerfleischen meine Kinder. Sie kamen aus dem Berg und sind keine gewöhnlichen Wölfe.“
      „Nicht gewöhnlich?“, fragte Ares interessiert.
      „Wir können unmöglich alleine mit ihnen fertig werden.“
      „Du willst einen Handel!“, grinste Ares.
      „In der Tat. Du bist ein erfahrener Söldner. Töte das Rudel für uns und ich verspreche dir Geleit bis zum Berg.“
      „Was ist der Haken an diesen ungewöhnlichen Wölfen?“, fragte Ares.
      „Ihr unberechenbarer Jagdinstinkt… ihr Groll auf alles Lebende… und schließlich ihre Geschwindigkeit. Sie sind untot, die Wächter des Berges.“
      „Wieso bleiben sie dann nicht dort, wo sie hingehören und greifen deine Männer an?“, fragte Ares stutzig.
      „Das ist mir ein Rätsel, junger Söldner. Normalerweise verlassen sie den Berg nicht. Vielleicht kommst du hinter das Geheimnis. Irgendwas stimmt mit dem Berg nicht in diesen Tagen. Welcher Anlass führt euch zu diesem verfluchten Ort?“
      „Der Schatz.“, murmelte Ares und wurde unruhig. Er wollte aufbrechen, das sah Diana ihm an.
      „Ihr solltet den Gedanken aufgeben, wenn ihr meinen Rat…“
      „…wir wollen deinen Rat aber nich-…“
      „Es ist in Ordnung!“, unterbrach Diana die Kette von Unterbrechungen und sah den Vater mit scharfem Blick an. Er blickte ihr in die Augen und schien erstaunt.
      „Ich verstehe… nun gut. Nehmt den Dorfausgang in nordwestlicher Richtung, dann werdet ihr auf das Rudel treffen. Wenn du sie töten kannst, versprechen wir euch sicheres Geleit zum Berg. Den Fallen im Inneren müsst ihr jedoch alleine trotzen.“
      „Na endlich, geht doch…“, stöhnte Ares und blickte auf Diana zurück. „Los, komm.“
      Damit war es beschlossen. Auch wenn es das erste Mal gewesen war, dass Diana lautstark wurde, interessiere es Ares nicht im Geringsten. In seinem Kopf drehte sich gerade alles um den Zerstörungstrieb, genau wie in alten Zeiten. Die Wolfsjagd konnte beginnen!


      Etwas weiter entfernt und aus einer anderen Richtung näherte sich eine Kutsche. Sie wurde von sechs schwarzen Hengsten angetrieben, die rannten, als kämen sie geradewegs aus der Hölle. Die anderen Pferde hatten es schwer, mit der Kutsche Schritt zu halten. Der unebene Boden tat den Rädern nicht gut, besonders bei dieser Geschwindigkeit, aber das war den Menschen egal, denn das Ziel war wichtiger, als alles andere.
      Im Inneren der Kutsche saß ein großer, breiter Mann in einer Kutte und ein etwas kleinerer, aber nicht viel schmalerer, in einer leichten Rüstung. Die Vorhänge waren zugezogen und die Unruhe im Gesicht des Kuttenträgers war kaum zu übersehen.
      „Wir werden bald da sein, mein Meister.“, sagte der Kleinere der Beiden.
      „Ich weiß, Hödur. Und wenn wir den Berg erreichen, werden alle meine Träume wahr.“
      „Ja, Meister. Es ist nicht mehr weit.“
      Der Kuttenträger grinste. Er ließ sich seinen Plan in Windeseile noch mal durch den Kopf gehen, sah, dass es keinen Haken daran gab und schon bald verwandelte sich das Grinsen in ein höhnisches Lachen.


      Ares und Diana hatten das Dorf verlassen und waren einige Minuten gelaufen, als Ares stehen blieb und die Umgebung beobachtete.
      „Ares?“, fragte Diana. „Was ist los?“
      „Sie sind da. Nicht bewegen.“, flüsterte er. Diana sah sich um, doch sie konnte nichts erkennen. Plötzlich riss Ares sein Schwert nach oben und benutzte es zum Abblocken. Der erste Wolf war aus dem Nichts vor ihm aufgetaucht und sprang nun direkt vor Ares’ Klinge.
      Mit einem kraftvollen Schnitt spaltete er den Schädel des Wolfes. Diana stieß vor Schreck einen schrillen Schrei aus.
      „Wo kam der plötzlich her?“, stammelte sie und geriet in Panik. Ares packte ihr schwarzes Haar und riss sie auf den Boden.
      „Beweg dich kein Stück – bleib genau hier liegen, hast du verstanden?“, brüllte er angespannt. Diana nickte aufgeregt, da sie wusste, dass sie kein Wort verlieren durfte. Ares rannte ein paar Schritte von ihr weg und hob sein Schwert zur Verteidigung. Plötzlich sprang ein Wolf direkt auf ihn zu, riss ihm mit den Klauen den Oberarm auf und verschwand hinter ihm wieder. Sie bewegten sich schneller, als Ares sehen konnte.
      Wenn das so ist…
      Ares wartete, bis er die Aura der Wölfe wieder spürte, dann schwang er sein Schwert und errichtete eine Feuerwand um sich, in die der nächste Wolf hineinsprang und vom Feuer überrascht den Überblick verlor. Ares pflückte das Raubtier mit der Klinge aus der Luft. Doch der nächste Wolf sprang durch die Flammen direkt auf ihn zu. Er riss ihn auf den Rücken und schnappte mit seinem großen Kiefer zu, doch Ares hielt die Klinge schützend vor sich. Der Wolf biss sich an dem Stahl fest, klemmte die Klinge zwischen den Zähnen ein und zog daran, doch Ares verwandelte die Klinge in loderndes Feuer und verbrannte das schwere Tier auf sich. Die Flammenwand verschwand und sofort näherten sich zwei Wölfe – einer von vorne, einer von hinten. Ares ging leicht in die Knie, drehte sich um die eigene Achse und schwang dabei sein Schwert, sodass er beide Wölfe in der Luft aufschlitzte.
      Sein Oberarm schmerzte und Blut tropfte auf den Boden. Aber es war definitiv noch ein Wolf da. Irgendwo musste er sich versteckt haben. Er ließ nicht auf sich warten und erschien einige Meter vor Ares, doch er stürmte nicht auf ihn los. Er blieb nur stehen und beobachtete den Krieger durch ein Auge, durch das sich eine Narbe zog. Das andere schien blind zu sein.
      „Wer seid ihr?“, sprach der Wolf mit der Narbe.
      „Du kannst sprechen, Bestie?“, keuchte Ares.
      „Mein Name ist Faunus, ich bin der Beschützer des Berges. Was wollt ihr hier?“
      Ares sah ihn erstaunt an, senkte die Klinge jedoch nicht. „Ich will den Schatz.“
      „Wie ich es mir dachte. Meine Wölfe werden dich zerfleischen!“, fauchte Faunus, als zwei Wölfe neben ihm erschienen und Ares aggressiv anknurrten.
      „Faunus, nein!“, schrie Diana verzweifelt und streckte beide gefesselten Hände nach ihm aus. Der Wolfsführer sah überrascht zu ihr herüber. „Wer bist du?“
      „Ich bin Diana! Erkennst du mich nicht mehr?“, stammelte sie hoffnungsvoll.
      „Ich kenne dich nicht. Zerfleischt sie…“
      Die beiden Wölfe neben ihm setzten sich langsam in Bewegung. Sie erkannten, dass ihre Beute nicht weglaufen würde. Sie lag gefesselt am Boden und würde sich nicht wehren. Ares umklammerte sein Schwert mit einem festen Griff und wollte gerade losstürmen, als Diana schrie:
      „Du kanntest meine Mutter: Latona!“
      Die Wölfe blieben stehen und auch Faunus riss sein Auge auf. „Keinen Schritt weiter.“, befahl er, auch wenn die Wölfe schon längst angehalten hatten. Faunus lief zwischen ihnen durch und baute sich vor Diana auf, während er sie ganz genau beobachtete.
      „Du hast ihre Augen.“, zischte er. „Aber ob dich das zu ihrem Nachfahren macht?“
      „Ich versichere es dir. Wir kommen, um die Schale zu holen!“, bettelte sie und sah dem alten Wolf in seine scharfen Augen.
      „Wenn du es nicht sein solltest, werde ich dir deine gelben Augen rausreißen, das schwöre ich dir!“
      „Was geht hier vor sich?“, meldete sich Ares zu Wort.
      „Wer ist der Kerl?“, fragte Faunus. „Warum hat er dich gefesselt?“
      „Er ist mein… Meister. Er hat mich auf dem Sklavenmarkt gekauft.“, erklärte sie schüchtern.
      „Erzähl mir, was passiert ist.“
      „Mutter und Vater sind tot. Sie wissen bescheid. Ich muss die Schale haben! Ares hat mich von einem Sklavenhändler abgekauft, nur durch ihn konnte ich herkommen. Bitte Faunus, du musst mir glauben! Beim Schwur meiner Eltern!“, jammerte Diana.
      Faunus knurrte und rammte seine Krallen in den felsigen Boden, als wäre er aus Butter.
      „Was sagst du da? Sie sind tot? Wer ist hinter der Schale her?“
      „Ich glaube, du schuldest mir eine Erklärung!“, mischte sich Ares jetzt deutlich ein.
      „Halt dein vorlautes Maul, Mensch, oder ich werde dir die Zunge rausreißen!“, fauchte Faunus und wandte sich wieder an Diana. „Was hast du vor?“
      „Die Dorfbewohner wollen, dass wir euch aus dem Weg räumen, dann versprechen sie uns Geleit zum Berg. Was habt ihr getan, Faunus? Warum fallt ihr Unschuldige an?“
      „Wir werden euer Geleit sein, vergiss die Dorfbewohner. Sie verhalten sich merkwürdig. In letzter Zeit haben sie Jagd auf uns gemacht. Ich habe das Gefühl, dass sie von dunklen Mächten beeinflusst werden. Der Dorfvater sorgt sich um seine Kinder, er würde alles für sie tun.“
      „Was meinst du damit?“, fragte Diana.
      „In letzter Zeit waren vermehrt Menschen hier, die sie womöglich ausgenommen haben. Ich schätze, dass der Dorfvater seine Krieger auf uns gehetzt hat, weil er aus irgendeinem Grund unter Druck steht. Sie werden benutzt.“
      „Diese Menschen sind vielleicht jene, die die Schale wollen, Faunus. Wir müssen sie unbedingt vor ihnen haben!“, rief Diana.
      „Das ist möglich. Wenn wir tot sind, werden auch die Fallenzauber im Berg gelöst. Fremde hätten also freies Geleit zu dem geheimsten Ort dieser Welt. Sie müssen die Dorfbewohner gezwungen haben, die Drecksarbeit zu erledigen. Weil die uns aber nicht gewachsen sind, haben sie euch geködert.“
      „Faunus, bring uns zur Schale, ehe die Fremden auftauchen!“, forderte Diana. „Es ist meine Pflicht, die Schale…“, sie warf Ares einen flüchtigen Blick zu, „… die Schale mitzunehmen.“
      „Meinetwegen. Kommt, wir müssen uns beeilen. Steig auf meinen Rücken, Diana.“, sagte Faunus und warf Ares einen prüfenden Blick zu. „Kannst du mithalten, Mensch?“
      Ares funkelte ihn zornig an. Die Bestie wurde ihm unsympathisch. Außerdem verstand er gerade nicht, was vor sich ging und das machte ihn noch wütender.
      „Wie könnte ich?“, knurrte er.
      „Und du nennst dich einen Söldner. Los, lass dich von einem der anderen Wölfe tragen.“
      Etwas skeptisch stieg Ares auf den Rücken einer der Kreaturen. Sie schien mit seinem Gewicht nicht die geringsten Probleme zu haben.
      „Halt dich gut fest, Mensch.“, grölte der Wolf und rannte los. Ares dachte, er würde vom Druck der Beschleunigung von seinem Rücken fliegen, doch er klammerte sich um den Hals des Wolfes und konnte sich schließlich an die Geschwindigkeit gewöhnen. So würden sie den Berg in Nullkommanichts erreichen. Und Ares würde vielleicht endlich Antworten finden.


      (c) Julian Jungermann
      Reise in die Morgenröte ist endlich fertig und ich bin sehr stolz :)

      173 Seiten im Din A4 Format.

      Das Ende war sehr schwierig. Es fällt schwer, alles optimal abzurunden. Ich bezweifle, dass mir das gelungen ist :D
      Aber ich bin erst mal glücklich und etwas ratlos darüber, wie es weitergehen soll ^^

      Ich kann gerne weitere Leseproben posten, wer will, kann ihn auch mal ganz lesen ;)
      Vielen Dank für die neuen Kapitel JayJay :)

      Ich habe sie schon vor ein paar Tagen gelesen, aber total vergessen etwas dazu zu schreiben oO

      Ich bin mal wieder sehr begeistert und es freut mich, dass Diana jetzt auch ein bisschen mehr in den Vordergrund rückt. Irgendwie mag ich sie :D



      Und du bist endlich fertig, das freut mich :)
      173 Seiten....das ist ne ganze Menge und mich interessiert brennend was auf den nachfolgenden Seite noch passiert.
      Ich würde mich freuen wenn du den kompletten Roman irgendwo hochladen und mir den Link dann per PN schicken würdest.
      Ich glaube alles hier zu posten wäre ein bisschen viel, oder? ^^
      Dass doch so viele heimlich mitgelesen haben, hätte ich gar nicht gedacht ^^
      Da hätte man sich mal melden müssen, dann wäre der Thread auch nicht eingeschlafen und ich hätte neue Proben einstellen können :rolleyes:


      Edit:

      Mich würde mal interessieren, ob jemand die Story zuende lesen konnte? Wäre cool, wenn ihr (falls ihr sie gelesen habt) mal etwas kommentiert. Wäre sehr interessant für mich ;)



      Edit 17.Feb.2012:

      Ich habe bis auf drei Kapitel (1,2,7) alles an Inhalt entfernt. Sollte das Teil doch nochmal irgendwann erfolgreich werden, dann sieht man es wahrscheinlich nicht gern, wenn die Hälfte schon in einem Forum veröffentlicht wurde^^

      Diese drei Kapitel sollten als Leseproben reichen.
      Wer weiß - vielleicht stelle ich irgendwann nochmal alles rein, wenn ich die Hoffnung aufgegeben habe :D