Zwielicht

      Zwielicht


      und als sich ihre Blicke trafen, war die Sonne schon fast am Horizont untergegangen
      und der Himmel war golden verfärbt
      und der Wind stand still
      und es gab keine Geräusche außer dem Pochen ihrer Herzen.

      Über ihre Gesichter wanderte ein zufriedenes Lächeln, das mehr ausdrückte, als sie sich
      jemals hätten sagen können. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und er kam langsam näher,
      streckte seine ebenfalls nach ihr aus. Jeder Schritt drang tief in den Sand ein, repräsentierte
      einen Herzschlag, fühlte sich an wie der erste Gang auf dieser Erde.


      „Sprich mit mir.“
      Ihre Stimme in seinen Ohren.
      „Lächele mich an.“
      Harmonie und eine Droge.
      „Komm zu mir.“
      Aber sie war so weit weg.
      „Lach mit mir.“

      Und der Himmel begann zu brennen. Der Sand stieg
      in den Himmel auf und die Sterne fielen auf die Erde.
      Der Himmel war blutrot. Er stand hinter ihr und als er sich umdrehte, war sie fort. Sie schien
      am Himmel zu schweben und sah auf ihn herab.

      Langsam sank er auf seine Knie und spürte das Kribbeln auf seinen Knien.


      „Sprich… mit mir.“
      Die Stimme hallte in seinem Kopf wider.
      „Lach… mit mir.“
      Tränen sammelten sich in seinen Augen.
      „Lächele… mich an.“
      Er biss die Zähne aufeinander.
      „Komm…“
      Er ließ den Kopf hängen.
      „…zu mir.“

      Er sprang auf und rannte in das Meer – so weit, bis er nicht mehr stehen konnte.
      Dann begann er zu tauchen. Je tiefer er tauchte, desto lauter schlug sein Herz.


      „Sprich… mit mir.“
      Und dann sah er sie auf dem Grund des Meeres.
      „Lach… mit mir.“
      Sie wartete auf ihn.
      „Komm…“
      Er streckte seine Hand aus.
      „…zu mir.“
      Ihre Hände berührten sich. Es war ein wunderbares Gefühl.
      „…und lächele…“
      Und alles wurde schwarz und leise und so unheimlich warm.
      „…mich an…“


      © Julian Jungermann, 31. Mai 2011