Silent Hill Buch?

      Silent Hill Buch?

      Hallo Leute,

      ich habe einfach mal so ein paar Fragen:

      Ich schreibe ab und zu mal zum Spass ein paar Geschichten. Häufig bekomme ich sie nich zuende oder aus Mangel an Zeit wird nichts draus. Jetzt hatte ich eine Idee für eine Geschichte im Silent Hill Universum... aber ich habe mich gefragt, ob man sowas wirklich machen kann und machen sollte.

      Bei den Spielen sieht man es schon, die neuen werden mit den alten verglichen. Das geht mit einem Buch zwar nur in einerlei Hinsicht, aber das könnte schon reichen: Die Story. Ist es möglich eine Silent Hill Geschichte zu schreiben, die - da sie ja in Buchform ist - komplett losgelöst betrachtet wird? Kann man überhaupt noch ein interessantes Intro gestaltet, aus welchem Grund eine verlorene Seele nach Silent Hill kommt und ihren persönlichen Alptraum druchlebt? Kann ein Buch ohne Bilder und Visualisierung, ein Silent Hill, so gut den Horror beschreiben, dass es einem das Blut in den Adern gefrieren lässt? Kann man ohne Memos Stück für Stück Puzzleteile zusammensetzen lassen, sodass der Leser am Ende denkt: Ah, ja!

      Kann man die für Silent Hill typischen Rätsel und die Dinge, die einfach UNAUSGESPROCHEN bleiben, wirklich in einem Roman verpacken oder würde nicht ein essentieller Teil fehlen?
      a sixty ton angel falls to the earth
      a pile of old metal a radiant blur
      scars in the country, summer and her

      always the summers are slipping away
      porcupine tree
      Schau dir mal Silent Hill Zwielicht an, das von Bya erwähnte Buch.

      Aus Erfahrung kann ich dir sagen Nobody, dass fast alles möglich ist, ob es wirkt hängt von deinem Schreibstil ab. Du hast eine gute Idee? Dab schreib sie auf und schau was du aus ihr machen kannst.

      Mfg, Samael.
      [glow]Kehre dein Innerstes nach außen und blicke in den Spiegel, kannst du den Anblick ertragen?[/glow]

      Ich hab Cheryls Roman zwar nicht gelesen, denke aber schon, dass so etwas geht.
      Die Kunst eines guten Schriftstellers in diesem Genre ist es, den Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken.
      Das heißt: Der Leser denkt, dass er die Handlung des Autors durchschaut hat (die er durch den Titel "Silent Hill" natürlich von Anfang an für verworren und trügerisch hält) und vermutet die Handlung nicht in der Auflösung X, wie vom Autor scheinbar vorgegeben, sondern in Y - der vermuteten "wahren" Auflösung des Lesers. Der Autor aber, der die Auflösungen X und Y beide berechnet hat sowie die Skepsis des Lesers selbst und seine Reaktion auf X, löst die Geschichte plötzlich weder in X, noch in Y, sondern in Z auf. Ich hoffe das war etwas verständlich^^

      Wer so etwas kann, der beherrscht das Handwerk, ein gutes Silent Hill Buch zu schreiben, das weder besser noch schlechter als die alten Teile ist - vielmehr als selbstständiges, qualitatives Werk angesehen wird.



      Was mir gerade noch einfällt: Wahrscheinlich punktet man bei den Fans der alten Plots zusätzlich durch die Wahl des Settings. Eine Handlung, die in South Vale spielt (also südlich vom Toluca Lake), würde z.B. mein Herz höher schlagen lassen.
      Ich denke da außerdem an die Neueinbindung von Shadow Moses in MGS4. Da ist wohl jedem MGS1-Fan das Herzchen aufgegangen :D
      JayJay hat recht.

      Ganz wichtig finde ich bei einer so verworrenen Geschichte, das man sich Notizen macht.
      Ich habe erst einmal meine Idee nieder geschrieben und dann Profile für die Charaktere und Monster angelegt, dann eine kleine Chronik für meine Stadt. Ich habe mir sogar eine Karte gezeichnet, so kann kann ich den Verlauf der Geschichte am besten planen. Ich habe auch immer ein Notizheft und einen Stift mit, so kann ich eine Idee direkt aufschreiben und vergesse sie so nicht. Ich bin sogar soweit gegangen, dass ich in jedem Raum einen kleinen Notziblock und einen Stif deponiert habe. :D

      Mfg, Samael.
      [glow]Kehre dein Innerstes nach außen und blicke in den Spiegel, kannst du den Anblick ertragen?[/glow]

      Ich poste einfach mal etwas. Formatieren hier im Forum ist grausam, ich bitte das zu entschuldigen. Ich werde vorerst keinerlei Infos rausgeben, dann habt ihr mehr zum reinlesen und findet eventuell mehr Fehler. Es soll wirklich eine längere Geschichte werden, deshalb habe ich einen langsamen Einstieg gewählt:



      Seine Zuversicht war über die letzten Tage deutlich gesunken und Jorin war enttäuscht. Ob es alles nur ein dummes Märchen gewesen war? Es hatte zwei Zeugenberichte gegeben, die unabhängig voneinander Ähnliches berichtet hatten. Hinzu kam die sowieso sehr undurchsichtige und mit vielen mysteriösen Ereignissen gespickte Geschichte dieser ländlichen Gegend, dennoch keine neuen Informationen seit mindestens einer Woche. Er lenkte seinen Jeep durch die Einfahrt des Motels und parkte ihn auf dem letzten Stellplatz der rechten Seite. Irgendetwas musste doch dran sein, an dieser Stadt. Von außen betrachtet ein Provinznest in abgeschiedener Lage, aber um die Wahrheit zu finden musste er ihm das Innerste entlocken. Der Platz vor dem weiß gestrichenen Motel war mit Kiessand aufgeschüttet worden und stellte nun genügend Parkmöglichkeiten für rund zwanzig Gäste bereit. Ein hoher Maschendrahtzaun umgab die Seiten und einen Großteil der Front. Einladend, dachte Jorin.

      Nachdem er das Wichtigste zusammengesucht hatte betrat er die kleine Lobby durch eine Doppeltür. Auf der rechten Seite war eine kleine Sitzecke eingerichtet worden. Ein niedriger Tisch in der Mitte, zwei Sessel und ein Sofa ringsum. Die Bezüge waren dunkelrot, löchrig und verstaubt. In der Ecke darüber war ein kleiner Fernseher installiert, das Bild flackerte und der Ton war verrauscht. Die Rückseite bestand aus einer modrigen Holztreppe in den zweiten Stock und einer Tür mit Bullauge – ein Schild mit der Aufschrift Privat sollte Neugierige abschrecken. Hinter der Theke linker Hand stand ein kleiner Mann mit Schnauzbart und Hornbrille. Seine Augen nahmen durch die Stärke der Brille die kompletten Gläser ein, die Haare waren fettig, sein weißes Unterhemd inzwischen vergilbt. Als Jorin näher trat gab dessen fieses Grinsen gelbe Zähne frei: [SIZE=7]>>[/SIZE]Was darf ‘s denn sein Bursche? Ein Zimmer für die Nacht?[SIZE=7]<<[/SIZE] Unter dem summenden Deckenventilator klang seine Stimme hoch und stechend. Jorin nickte kurz und schaute sich um, während sein Gegenüber unter dem Tresen nach etwas zu suchen schien. Wenige Augenblicke später knallte es laut, als ein schwerer Buchrücken auf eine hölzerne Oberfläche knallte. Als Jorin seinen Blick wieder vor sich richtete, lag das Buch schon offen da, bereit seine Daten aufzunehmen. [SIZE=7]>>[/SIZE]Du weißt sicher, wie’s hier läuft, oder Bursche? Neunzehn Dollar die Nacht, keine Kreditkarten. Wir haften nicht für Schäden an deiner Karre oder Unfälle, in die hauseigene Möbel verwickelt sind. Machst du was kaputt, bezahlst du es[SIZE=7]<<[/SIZE] – [SIZE=7]>>[/SIZE]Sicher, alles in bester Ordnung[SIZE=7]<<[/SIZE], erwiderte Jorin und griff sich den kleinen Schlüssel neben dem Empfangsbuch. Sein Name stand nun ganz oben auf einer leeren Seite, ob das Buch in den letzten Tagen andere Personalien aufgenommen hatte war zu bezweifeln. Draußen stand nur ein weiteres Auto, das wahrscheinlich dem Besitzer des Motels gehörte, im inneren des Motels war es totenstill. [SIZE=7]>>[/SIZE]Obere Etage, Bursche. Hab‘ ein schönes Zimmer für dich. Wird dir gefallen. Ist nicht wie die andren![SIZE=7]<<[/SIZE] Jorin ging an der Sitzgruppe vorüber und die Treppe nach oben. Hinter sich hörte er ein leises Lachen, das sich langsam immer mehr in ein Keuchen und Husten verwandelte. Jorin lief ein Schauer über den Rücken. Widerlicher Kerl.

      Oben angekommen musterte er den Flur in beide Richtungen. Direkt vor ihm gab es eine quadratische Einbuchtung. Mittig stand eine kleine Couch, welche links von einem großen Topf mit hochgewachsenen Pflanzensträuchern und rechts von einem Ständer mit Touristeninformationen umgeben war. Auf Seiten der Außenwand gab es zahlreiche Fenstern über den ganzen Flur verteilt. Blutrotes Sonnenlicht viel durch jedes einzelne, war allerdings zu schwach um die Räumlichkeiten als solche zu erhellen. Jorin konnte nicht viel erkennen, schätze jedoch etwa zehn Zimmer je Seite. Er zog den Schlüssel für sein Motelzimmer hervor. Eine schwarz lackierte Holzscheibe verriet die Zimmernummer: 39B. Der linke Flur begann mit Zimmernummer zwanzig und stieg dann an. Der rechte Flur war seiner; dreißig bis vierzig. Langsam ging er den Flur entlang, seine Schritte klangen dumpf auf dem Teppichboden. Er beobachtete das Muster des Teppichs, das im Licht- und Schattenspiel zum Leben erweckt schien. Die hellen und dunklen Quadrate rieben sich aneinander und streckten und stauchten sich gegenseitig. Es war fast hypnotisch und Jorin konnte seine Augen einige Zeit nicht mehr abwenden. Mit einem abrupten Satz blieb er letztendlich stehen, beinahe wäre er in die Wand am Ende des Flurs gelaufen. Als er noch einen letzten Blick auf den Boden warf, schien alles normal, als hätte er einen abstrusen Tagtraum gehabt. Die Quadrate blieben in Form, allerdings lag nun ein weißer Flyer direkt vor ihm:

      Willkommen in Silent Hill!

      Silent Hill, ein an einem See gelegener ruhiger kleiner Erholungsort. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Machen sie mal Pause von Ihrem hektischen Alltag und genießen Sie einen entspannten Urlaub bei uns. Straße an Straße mit malerischen alten Häusern, eingebettet in eine großartige Gebirgslandschaft. Und ein See, der im Verlauf des Tages verschiedene Seiten seiner Schönheit offenbart, vom Sonnenaufgang über den Nachmittag bis zum Sonnenuntergang. Silent Hill wird sie berühren und mit einem Gefühl tiefen Friedens erfüllen. Ich hoffe, Sie haben einen angenehmen Aufenthalt, der für immer in Ihren Erinnerungen blieben wird. – Roger Widmark


      Neben dem Text waren einige Schnappschüsse beigefügt, die lokale Attraktionen zeigten. Der Lakeside Amusement Park, das alte Lakeview Hotel sowie das Devil’s Pit. Jorin wusste von allen drei Orten, dass sie nicht mehr in Betrieb waren. Das Lakeview Hotel war in den Neunzigern abgebrannt und nie wieder eröffnet worden. Seit damals moderte es vor sich hin und schien traurig in Gedenken seiner einstigen Pracht auf den See hinaus zu blicken. Beim eigentlichen Brand hatte es keine Toten gegeben, allerdings starben drei Kinder beim Spielen in den Ruinen. Ein Pfeiler hatte nachgegeben, die Kinder waren verschüttet worden und Tage später konnten nur noch ihre leblosen Körper geborgen werden. Ein Kollege von Jorin hatte damals den Artikel über dieses Drama recherchiert. Der Lakeside Amusement Park war aus ökonomischen Gesichtspunkten geschlossen worden. Über die Jahre hatte es immer höhere Umsatzeinbußen gegeben, die Kosten konnten nicht mehr gedeckt werden. Da das Devil’s Pit weit günstiger zu unterhalten war und deutlich mehr Besucher verbuchte, wurde der Park kurzer Hand geschlossen. Da dieser in den Händen der Stadt selbst lag, hatte man es damals als vorrübergehende Schließung bezeichnet. Der Park sollte gegebenenfalls wiedereröffnet werden, wenn die Stadt aus ihren finanziellen Problemen heraus war. Dies war bis heute nicht geschehen. Das Devil’s Pit war zu guter Letzt ebenfalls geschlossen worden, nachdem sich ein tragischer Unfall der Minenbahn zugetragen hatte. Mehrere Personen waren tödlich verunglückt und von offizieller Seite war das Risiko einer Instandsetzung in den engen Höhlen als zu kostspielig und gefährlich eingestuft worden. Fall geschlossen. Durch diese drei Ereignisse war das touristische Interesse an Silent Hill fast komplett zum Erliegen gekommen. Die Stadt hatte für die schnelllebige und sensationsgeile Branche nichts mehr zu bieten.
      Er steckte den Flyer ein, schloss sein Zimmer auf und marschierte direkt zum Bett. Erschöpft ließ er sich auf die Matratze fallen und wenige Minuten später war er eingeschlafen.
      a sixty ton angel falls to the earth
      a pile of old metal a radiant blur
      scars in the country, summer and her

      always the summers are slipping away
      porcupine tree